Dentallabor Marketing

Wie viel Gewinn macht ein Dentallabor?

[fa icon="calendar"] 10.08.16 17:47 / von Rainer Ehrich

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Wer immer nur JA sagt, macht Umsatz. Wer aber auch mal NEIN sagt (sagen kann), macht auch Gewinn. In diesem Satz steckt gerade für die Zahntechnik sehr viel Wahrheit, weil Zahntechniker durch ihre starke Abhängigkeit zum Kunden Zahnarzt eher eine Bittstellerhaltung einnehmen und in den letzten Jahren zu oft JA gesagt haben und auf Gewinn verzichtet haben. Wie viel Prozent sollte denn nun ein Dentallabor im Durchschnitt an Gewinn machen?

# 1 Ist der Gewinn abhängig von der Gesellschaftsform?

Sicherlich ist der ausgewiesene Gewinn in der Bilanz bei einer GmbH geringer, als der eines Einzelunternehmens. Aber aufgepasst: Nur auf dem Papier. Schließlich hat der Geschäftsführer einer GmbH schon sein Gehalt jeden Monat bekommen, während der Einzelunternehmer sich sein “Gehalt” vom Gewinn erst noch entnehmen muss.

Neulich auf einer Innnungsversammlung war ein Referent, der genau dieses Thema ansprach, weil Sie dazu viele Fakten gesammelt haben: Wie soll man denn nun ein Dentallabor Einzelunternehmen und eine Dentallabor GmbH vergleichen? Das ist ganz einfach:

In beiden Unternehmensformen gibt es immer einen oder mehrere Chefs. Bei beiden wird ein relatives gleiches Gehalt (branchenüblich) angesetzt: Ein so genanntes kalkulatorisches Gehalt. Das heißt, dass das Gehalt eines Geschäftsführers einer GmbH nicht als Kosten, sondern als Gewinn gerechnet werden muss, wie beim Einzelunternehmen. Nur so kann man einen vernünftigen Vergleich in unserer Branche bei der Ermittlung von Gewinnen ansetzen.

# 2 Wie groß sind die Unterschiede bei den Gewinnen?

Die Zahlen sagten aus, dass sich die Dentallabore zwischen Minus 3% bis zu Plus 23% bewegen. Das ist ein satter Unterschied in den Spitzen von fast 30% im Gewinn! Sehr interessant war auch, dass selbst die “Ausreißer” von - 3% oder 23% auch in den Folgejahren immer wieder bestätigt wurden. Wenn einer viel richtig oder eben auch falsch macht, dann meistens auch immer wieder.

 

Der Durchschnittsgewinn aller Dentallabore in Deutschland liegt übrigens bei 10,4%.

Wer unter 8 % liegt, sollte sich ernsthafte Gedanken machen. Und dabei ist es egal, ob es sich um eine GmbH oder ein Einzelunternehmen handelt. (Siehe Oben)

Diese Zahlen sind im Grunde genommen gar nicht so spannend oder neu für die Dentalbranche, weil diese Zahlen nahezu bei allen Handwerken gleich sind. Interessanterweise kommen aber gerade die Betriebe zu Fortbildungen, wo es um Maximierung oder Überprüfung des eigenen Gewinns geht, die sowieso schon mit Ihrem Gewinn recht oben liegen.

Ehrich Dental Consulting

# 3 Sind Steuerberater eine echte Hilfe beim Gewinn für ein Dentallabor?

Mit dem Namen “Steuerberater” steckt die ganze Wahrheit schon in dem Wort selbst. Sie beraten zum Thema Steuern. Sie ermitteln den Gewinn, mehr aber in der Regel auch nicht. Die Zahl der Steuerberater, die einem Dentallaborchef wirklich helfen, mehr Gewinn zu machen, hält sich sehr in Grenzen. Verlassen Sie sich also nicht auf ihn.

Was Sie gemeinsam tun können, sind einzig und alleine, die Kosten zu minimieren. Und die zu hohen Kosten, die den Gewinn minimieren, sind meistens immer die gleichen:

  • Zu viele Mitarbeiter
  • Zu teure Mitarbeiter im Verhältnis zur Produktivität
  • Mitarbeiter, die sehr lange im Betrieb sind (vom “Vater” übernommen), wo aber eine Kündigung sehr teuer werden kann
  • Zu große und zu viele Autos
  • Zu große und somit zu teure Räumlichkeiten
  • Hoher Lebensstil: Zu viele Entnahmen
  • Zu hoher Materialeinkauf

# 4 Was können Sie tun, um mehr Gewinn zu machen?

Wie oben schon erwähnt, kann ein Steuerberater helfen, Kosten zu minimieren, bzw. ausfindig zu machen. Er kann zudem Steuermodelle aufzeigen, die Steuern sparen. Aber aufgepasst: Machen Sie nie Dinge, die nicht auch sinnvoll sind. Wenn Sie als Beispiel 2 neue CAD/CAM Anlagen kaufen, die Sie nicht wirklich brauchen, lassen Sie die Finger von solchen Ideen. Der Steuerberater kann das nicht beurteilen, was Sie brauchen und was keinen Sinn macht.

Dinge, die Ihren Gewinn maximieren:

  • Regelmäßiges Neukundengeschäft (Betonung liegt auf regelmäßig)
  • NEIN sagen zu BILLIGPREISEN für Ihre Arbeit
  • Kalkulieren Sie Ihre Preise so, dass Sie bei 10 - 15% Gewinn liegen
  • Weichen Sie nur in Einzelfällen von Ihren Preisen ab. Sie könnten sich sonst sowieso strafbar machen laut AkG.
  • Finden Sie Wege, um mehr Umsätze in Ihr Labor zu holen
  • Seien Sie erfinderisch und finden Sie neue Ideen. Wer zu wenig Geld hat, hat zu wenig Ideen.
  • Werden Sie zur echten Marke.
  • Unternehmer statt Unterlasser (Denken und Handeln)

# 5 Beispiel einer Umsatz-Rentabilität eines Dentallabors:

- Betriebsleistung: 768.700 € = 100 %

- minus Materialeinsatz (inkl. Fremdleistungen) = 17%

- = Rohgewinn 1 = 83%

- minus Personalkosten Labor = 38%

- minus Verwaltung, Büro = 13,8%

- = Rohgewinn 2 = 30,6%

- minus Sonstige Kosten = 20,2%

- Betriebswirtschaftliches Ergebnis = 80.000 € = 10,4%

# 6 Beispiel einer Umsatz Rentabilität einer Zahnarztpraxis je Betriebsinhaber:

- Gesamteinnahmen: 423.000 € = 100 %

- minus Materialeinsatz (inkl. Fremdllabor) = 24,8 %

- = Rohgewinn 1 = 75,2 %

- minus Personalaufwand = 23,4 %

- kalkulatorische Personlakosten = 14,8%

- = Rohgewinn 2 = 37,2 %

- minus Sonstige Kosten = 18,3 %

- Betriebswirtschaftliches Ergebnis = 79.950 € = 18,9 %

(Diese Zahlen stammen aus dem Jahre 2016 VR Branchenbericht 2016)

# Fazit:

Gehen Sie einmal Ihre Zahlen durch und schauen Sie, wie hoch Ihr Gewinn genau ist. Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater einmal über Ihre Kosten, die deutlich von den obigen Zahlen abweichen. Schauen Sie nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf Ihre Möglichkeiten, mehr Umsätze in Ihr Labor zu holen. Kalkulieren Sie gute Preise anhand Ihres Stundensatzes, so dass Sie nicht nur mehr Gewinn machen, sondern auch Sie sich Selbst und Ihre Mitarbeiter gut bezahlen können. Trennen Sie sich von schlechten Zahnärzten, die entweder sehr spät oder teilweise gar nicht zahlen und zudem noch schlechte Unterlagen schicken. Machen Sie wenige Arbeiten doppelt (Regress, Kulanzen) und wenn, dann gegen Bezahlung. Haben Sie keine Angst vor einem NEIN.

 Ihr Rainer Ehrich 

Kategorien: Zahntechnik

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