Dentallabor Marketing

Sollte ein Dentallabor in der Zahntechniker-Innung sein?

[fa icon="calendar"] 03.02.16 16:39 / von Rainer Ehrich

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Immer wieder sehe ich auf Facebook sehr kontroverse und intensive Diskussionen bezüglich des Themas, ob man als Dentallabor in der Zahntechniker Innung organsiert sein soll oder nicht. Diese Frage habe ich mir damals in den 90er Jahren als Laborbesitzer auch immer wieder gestellt. Ich bin damals hin und hergerissen gewesen und so war ich mal Mitglied und mal wieder nicht. Mein Herz sagte JA, weil es mir ein Gefühl einer starken Gemeinschaft gab. Der Verstand sagte NEIN, weil ich damals die gebotenen Leistungen im Verhältnis zu den Kosten nicht immer als “preiswert” angesehen habe. Ich muss dazu fairerweise sagen, dass ich selber nicht aktiv wurde, außer bei Innungsversammlungen anwesend zu sein. Ich würde das heute komplett anders machen, mich mehr selber engagieren und der Innung nochmal eine Chance geben.

Da ich der Frage dieses Artikels aber genauer auf den Grund gehen wollte, habe ich einfach einmal ein paar Fragen, die mir auf dem Herzen lagen, an den Obermeister von HH/S-H, Thomas Breitenbach, gestellt, um ein klareres Bild der heutigen Arbeit der Zahntechniker-Innung zu bekommen.

Hier sind meine Fragen und die Antworten vom Obermeister Thomas Breitenbach:

Herr Breitenbach, warum sollte ein Labor der Innung beitreten und was sind in diesem Zusammenhang die drei vielleicht wichtigsten Vorteile?

Thomas Breitenbach: Die Innung und darüber hinaus der Bundesinnungsinnungsverband (VDZI) ist die einzig ernstzunehmende berufsständische Organisation der Zahntechniker in Deutschland und so gesehen auch die größte organisierte Anbietergruppe. Zahnärzte sind Pflichtmitglieder in ihren Kammern und wenn sie Kassenpatienten haben auch der jeweiligen KZV. Von der guten Organisation und Lobby der Krankenkassen, der wirtschaftlichen Macht der Industrie wollen wir hier gar nicht reden. Ohne eine Vertretung der Zahntechniker in einer Berufsorganisation gebe es überhaupt keine Möglichkeit, die Politik und den Markt zu beeinflussen.

Würden wir als Innung die politischen Räume nicht besetzen, würden dies andere tun, die nicht unbedingt das Wohl des deutschen Zahntechnikerhandwerks im Fokus haben. Kennen Sie einen einzigen Berufsstand, der sich nicht organisiert hat?

Die Vorteile? Sie sind häufig schon ganz simpel direkt zu erkennen. Es gibt Beratung zu wirklich nahezu jedem Problem, welches ein Labor haben kann: Das fängt mit „A“ wie Abrechnungsfragen an und geht über die Rechtsberatung, Organisation von Arbeitssicherheit, Rahmenverträgen bis „Z“ wie Zahnpreislisten - weiter und weiter. Die Innung als Dienstleister, wie sie sich heute versteht, ist immer Ansprechpartner des Mitglieds. Kann sie nicht selbst weiter helfen, ist sie durch Vernetzung des Haupt- und Ehrenamtes in der Regel auch in der Lage die richtigen Ansprechpartner außerhalb des Verbandes zu benennen.

Ehrich Dental Consulting

Was sind die Ziele der Innung in den nächsten fünf Jahren?

Thomas Breitenbach: Das Zahntechnikerhandwerk befindet sich in einem großen Wandel. Die Gründe dafür sind allseits bekannt. Die fortschreitende Technisierung und Digitalisierung verändern in diesem Zusammenhang den Beruf des Zahntechnikers eminent und damit im gleichen Atemzug die Zusammenarbeit mit unseren Kunden, den Zahnärzten. Die Schnittstellen zwischen Zahnarzt und Labor werden dabei im Fokus unserer Arbeit stehen, um Konflikte zu vermeiden oder zu beseitigen.

Darüber hinaus sind vielerlei Dinge intern und extern geplant. Wir werden das Innungsleben dem Zeitgeist annähern, auch hier muss der Digitalisierung Rechnung getragen werden. Die Innung muss jünger werden, sowohl im eigentlichen als auch im übertragenen Sinne. Und extern werden wir den Dialog mit den zahnärztlichen Berufsvertretungen weiter führen und wenn möglich intensivieren, mit den Krankenkassenverbänden und natürlich der Politik. Eine Aufgabe, der wir uns aber auch in der Vergangenheit ständig gewidmet haben, die bei dem bevorstehenden Wandel aber wichtiger denn je ist!

Was würden Sie als Obermeister einem Mitgliedsbetrieb raten, wenn er sich beruflich außerhalb seines Labors engagieren will? Sollte er innerhalb der Innung oder ohne sie aktiv werden?

Thomas Breitenbach: Ich bin Obermeister, welch eine Frage! :-) Die Innung bietet so viele Möglichkeiten der Mitgestaltung, insbesondere steht jedem die Möglichkeit offen, sich in den Vorstand wählen zu lassen! Wir sind froh über jeden neuen Mitstreiter, ob außerhalb oder innerhalb des Vorstandes! Die Zeit der Hinterzimmer in dem alte Herren bierselig geheime Entscheidungen treffen, ist längst vorbei! Wirklich jedes Mitglied kann mich anrufen, wenn es sich engagieren will – Mitarbeit ist willkommen!

Was kostet die Innung für ein Dentallabor?

Thomas Breitenbach: Die genauen Kosten sind von Innung zu Innung unterschiedlich, in der Regel gibt es einen Grundbeitrag und einen Zusatzbeitrag, der nach der Lohnsumme bemessen wir. Aber mal ehrlich, zum einen ist der Beitrag als Betriebsausgabe voll absetzbar und die Vorteile durch Rechtsberatung, Arbeitssicherheit und Rahmenverträge egalisieren den Beitrag bei dem ein oder anderen fast vollständig.

Machen wir doch mal eine Milchmädchenrechnung. Sie zahlen als Labor 2.000 € Beitrag an die Innung. Dieser Beitrag ist absetzbar, weil es eine Betriebsausgabe ist. Bleiben „virtuell“ gesehen vielleicht noch 1.000 € - dafür zahlen sie weniger bei den Prüfungsgebühren, wenn sie Auszubildende haben, sie bekommen mit unserem Kooperationspartner die vielleicht günstigste Variante Ihren Verpflichtungen hinsichtlich Arbeitssicherheit (Unternehmermodell nachzukommen), sie können Ihre Betriebsfahrzeuge in unserer Rahmenversicherung günstig versichern, sich bekommen evtl. ein Fahrzeug durch einen Rahmenvertrag günstiger, sie bekommen Rechtsberatung und Vertretung vor den Arbeitsgerichten umsonst …u.u.u. –

Und sie haben jeden Tag die Gewissheit, durch einen kurzen Anruf Unterstützung in allen Fragen rund um ihr Labor zu finden, durch Haupt- und Ehrenamt. Und vielleicht noch einmal eine Besonderheit hier oben im Norden: Die Innungsgeschäftsstelle der Gesundheitshandwerke in Hamburg, der wir als Zahntechniker-Innung Hamburg- und Schleswig-Holstein angehören, gehört wohl bundesweit zu dem Besten was sie finden können: Dort arbeiten z.Zt. vier Juristen und zwei Volkwirte, die in den Gesundheitshandwerken aktiv sind – Zahntechniker, Epithetiker, Orthopädie-Techniker…Das Ehrenamt arbeitet gewerkübergreifend im Verwaltungsrat dieser Geschäftsstelle zusammen und hat beste Drähte auch durch ehrenamtliches Engagement in Krankenkassen.

Das hat vielleicht keinen direkten monetären Vorteil für das einzelne Labor, aber ist sicherlich unerlässlich, wenn die Zahntechniker in diesem Land nicht völlig auf sich allein gestellt sein wollen. Ich finde, dass diese Antwort auch gegeben werden muss, wenn mich jemand fragt, was die Mitgliedschaft in einer Innung kostet.

Für welches Labor macht es überhaupt keinen Sinn, in die Innung einzutreten?

Thomas Breitenbach: Ehrlich gesagt fällt mir dabei allenfalls das Praxislabor ein, welches klassischerweise handwerksrechtlich auch kein Innungsmitglied sein kann.

Was könnte besser gemacht werden in der Innung?

Thomas Breitenbach: Wir sind seit ein paar Jahren dabei nahezu alles auf den Prüfstand zu stellen, wobei der Kernbereich unseres Engagements als Unternehmerverband gleich geblieben ist und bleiben wird: Die Unterstützung unsere Betriebe in ihrer Wirtschaftskraft! Und: Wir wollen wieder jünger werden und wir wollen größer werden! Dabei sind wir auch und gerade für Anregungen von außen dankbar!

Vielleicht ist man ja manchmal über die Jahre auch etwas betriebsblind geworden. Diese Anregungen können wir aber nur bekommen, wenn sie an uns herangetragen werden – am besten über Beitritte von jungen, aufstrebenden und engagierten Zahntechnikern, die uns dabei helfen, das Zahntechnikerhandwerk in die neue Zeit hineinzutragen und nicht untergehen zu lassen! Kommt in die Innung, das erste halbe Jahr umsonst und unterstützt uns in unserer mehr denn je wichtigen Arbeit für unser Handwerk!

Vielen Dank Thomas Breitenbach an dieser Stelle für die ehrlichen Antworten.

Ich hatte wie gesagt, einige Probleme in der Vergangenheit mit dem Thema Innung. Ich sehe das allerdings heute deutlich anders, weil jeder Zusammenschluss zu einer Gemeinschaft jedes einzelne Labor stärken wird. Und die Innungen sind nun einmal mit 3.500 Mitgliedern der größte Verbund.

Vor dem Fazit, möchte ich die für mich subjektiv wichtigsten Punkte aus dem Interview nennen, die für mich für einen Beitritt sprechen würden:

  • Ohne eine Vertretung der Zahntechniker in einer Berufsorganisation gebe es überhaupt keine Möglichkeit, die Politik und den Markt zu beeinflussen
  • Es gibt Beratung zu wirklich nahezu jedem Problem, welches ein Labor haben kann
  • Die Innung muss jünger werden, sowohl im eigentlichen als auch im übertragenen Sinne
  • Die Innung bietet so viele Möglichkeiten der Mitgestaltung, insbesondere steht jedem die Möglichkeit offen, sich in den Vorstand wählen zu lassen
  • Der Beitrag als Betriebsausgabe ist voll absetzbar und die Vorteile durch Rechtsberatung, Arbeitssicherheit und Rahmenverträge egalisieren den Beitrag bei dem ein oder anderen fast vollständig
  • Und die Innungsmitglieder haben jeden Tag die Gewissheit, durch einen kurzen Anruf Unterstützung in allen Fragen rund um ihr Labor zu finden, durch Haupt- und Ehrenamt
  • Die Unterstützung unsere Betriebe in ihrer Wirtschaftskraft

Fazit:

Wenn ich heute ein Dentallabor hätte, würde ich der Innung auf alle Fälle eine Chance geben und ich würde für 3 Jahre eintreten, um danach zu sehen, was es zum einen der Gemeinschaft, aber vor allem auch mir und meinem Unternehmen gebracht hat. Ich würde mich auf alle Fälle deutlich mehr einbringen und mich wahrscheinlich auch in den Vorstand wählen lassen. Nicht jeder muss in den Vorstand, aber er sollte ehrenamtliche Aufgaben übernehmen, um damit auch mehr an der Gestaltung der Innungsarbeit mitzuwirken.

Kategorien: Zahntechnik

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