Dentallabor Marketing

Praxislabore: Mythen und Fakten

[fa icon="calendar"] 11.07.17 09:10 / von Rainer Ehrich

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Das Thema Praxislabor ist seit dem Antikorruptionsgesetz ein Politikum in unserer Branche geworden und ich wundere mich immer wieder, wie wenig sich Zahnärzte damit auseinander setzen. In den sozialen Netzwerken werden z.B. Stellenanzeigen gepostet, wo drin steht:"Wir sind ein "Meistergeführtes Praxislabor". Das ist strafbar, weil es laut dem AkG und dem Steuergesetz einfach nicht erlaubt ist, dass ein zahnärztlicher Hilfsbetrieb einen gewerblichen Charakter bekommt. Deswegen führe ich in diesem Artikel einmal Fakten auf, die das Thema Praxislabore transparenter machen soll. Denn ein Praxislabor ist per se nicht verboten, sondern nur gewisse Konstrukte davon. 

# Einleitung:

Der Zahnarzt ist der Mediziner und der Zahntechniker macht den Zahnersatz. Das sind in erster Linie zwei völlig verschiedene Berufe, was auch bei dem Treffen in Kassel, wo zwei Zahnärzte mit zwei Zahntechnikermeistern einen ganzen Tag lang über die bestmögliche Zusammenarbeit beider Berufe diskutierten, als Ergebnis herausgekommen: Die Aufgabenbereiche sollten klar getrennt sein zum Wohle des Patienten.

Es macht keinen Sinn, wenn der Zahnarzt Zahntechnik und der Zahntechniker Zahnmedizin macht. 

Für das Dentallabor ist der Zahnarzt das Maß aller Dinge, weil er sein Kunde ist und das Labor mit Aufträgen versorgt. Wobei zu erwähnen ist, dass letztendlich der Patient die Rechnung bezahlt und nicht der Zahnarzt. Der bezahlt eine Monatsaufstellung. Somit ist eigentlich der Patient der wahre Kunde und der Zahnarzt der Vermittler. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Durch die Zunahme der Praxislabore ist ein gewaltiger Teil des ZE-Kuchens den Dentallaboren genommen worden. Der Deal von 1952, dass Zahnärzte keine Praxislabore mit mehr als einem Mitarbeiter eröffnen und Zahntechniker dafür den Dentisten fallen lassen, ist von der Zahnarztseite nicht eingehalten worden. Allerdings haben die Zahntechniker und ihre Vertreter das auch über 60 Jahre mehr oder weniger geduldet, weil es ihnen bis 2005 wohl sehr oder zu gut ging.

# Mythos 1: Der Zahnarzt als Zahntechnikermeister?

Der Zahnarzt ist  durch seine zahntechnischen Kenntnisse befähigt, die komplette Palette der Zahntechnik zu beherrschen und somit ein Praxislabor zu eröffnen. So steht es in der Musterberufsordung, die die Zahnärzte selbst dort reingeschrieben haben. Es ist also kein Gesetz. Das ist so, als wenn die Zahntechniker in ihre Berufsordnung geschrieben hätten, sie dürften direkt an Patienten arbeiten. 

Ehrich Dental Consulting

Fakten: 

Der Zahnarzt erfüllt die Befähigungen eines Zahntechnikermeisters nicht. Zahnärzte haben, außer ein paar Übungen im Studium, keine wirkliche Erfahrung mit der Zahntechnik. Selbst wenn ein Zahnarzt vor seinem Studium eine Ausbildung zum Zahntechniker gemacht haben sollte, so besitzt er doch nur ein paar Grundkenntnisse, die durch fehlende Fortbildungsmaßnahmen und praktisches Arbeiten ziemlich überholt sind. Selbst wenn er Zahntechniker in seinem Praxislabor angestellt hat, muss das Praxislabor in unmittelbarer Rufweite sein, damit der Zahnarzt die Arbeiten des Zahntechnikers kontrollieren kann. Hier entsteht eine Qualitätseinbuße gegenüber einem gewerblichen Meisterlabor, weil er es einfach nicht kann. Er muss es allerdings verantworten. 

# Mythos 2: Das Praxislabor rechnet sich für den Zahnarzt

Da eine Zahnarztpraxis deutlich höhere Gewinnmargen als ein Dentallabor hat, kann ein Praxislabor für eine Zahnarztpraxis nicht wirklich rentabel sein. Wenn die Margen bei einem wirklich optimal geführtem Dentallabor bei ca. 15% liegen, hat eine Zahnarztpraxis dagegen bei der reinen zahnmedizinischen Behandlung eine Rentabilität von ca. 54% und bei der Prophylaxe bei ca. 33%.

Fakten:

Wieso soll sich also eine Praxis die mageren 15% eines Praxislabors antun? Ein Zahnarzt erwirtschaftet in seinem Tätigkeitsfeld immer mehr Gewinn. Wenn z.B. die Räumlichkeiten des Praxisabors durch einen weiteren Prophylaxeraum genutzt würden, wäre der Gewinn für die Praxis einfach höher.

Die 15% Marge in einem Praxislabor beziehen sich im Übrigen nur auf ein optimal geführtes Paraxislabor mit mindestens zwei Technikern. Bei einem Techniker macht das Praxislabor keinen Gewinn, sprich 0,0%! Das sind Angaben des Sparkassenreports von 2012. 

Zahnärzte lassen sich gerne von ihren Steuerberatern zu Praxislaboren "verführen". Diese sind aber in der Regel keine Unternehmnesberater, sondern nur Steuerberater.  Dieser rät vielleicht, die Kosten auf das Praxislabor zu verschieben, damit es sich wieder rechnet. Praxislabore lohnen sich für Zahnärzte nur, wenn exorbitante Preis abgerufen werden, die dann schon fast doppelt so hoch wie bei Dentallaboren liegen müssten. 

# Mythos 3: Meistergeführtes Praxislabor

Immer wieder lese ich Anzeigen, wo steht, dass eine Zahnarztpraxis ein "Meistergeführtes Praxislabor" hat oder einen Zahntechikermeister sucht für genau diese Positionierung. So etwas gibt es nicht, beziehungsweise darf es gar nicht geben. Es wäre nämlich illegal.

Ein Praxislabor ist nämlich nur ein Hilfsbetrieb des Hauptbetriebes. Und der Hauptbetrieb ist und bleibt die Zahnarztpraxis. Wenn es ein "meistergeführtes Praxislabor" ist, bekommt es einen gewerblichen Meisterlabor-Charakter, was in der Handwerksrolle eingetragen sein müsste und ganz andere Bedingungen erfüllen muss, als ein zahnärztlicher Hilfsbetrieb. 

Fakten:

Es kann und darf ein Zahntechnikermeister in einem zahnärztlichen Hilfsbetrieb arbeiten. Genauso wie eine Putzfrau das dürfte. Auch die darf in einem zahnärztlichen Hilfsbetrieb Zahnersatz herstellen. Schließlich ist der Zahnarzt ja derjenige, der laut der Musterberufsordnung die Befähigung hat, Zahntechnik zu machen. Er trägt schließlich die alleinige Verantwortung. Hieran sieht man schon sehr deutlich, dass das Thema Praxislabore zu Recht bei den gewerblichen Dentallaboren schmerzhaft aufstossen kann, weil diese extrem höhere Auflagen haben. 

Deswegen kann es auch bei größeren Praxislaboren mit mehreren Behandlern (Z.B. Praxisgemeinschaft) Probleme geben, was die legale Abwicklung eines zahnärztlichen Hilfsbetriebes betrifft:

Wenn mehrere Zahntechniker dort beschäftigt sind, muss jeweils immer ein Techniker einem Zahnarzt zugeordnet sein. Zahntechniker A darf auch nur für Zahnarzt A arbeiten, ZT B nur für Za. B. Wird das nicht konsequent eingehalten, wäre das illegal und somit strafbar.

Sie finden diese genauen Angaben auch im Gutachten von Professor Detterbek, das durch den AVZ in Auftrag gegeben wurde. 

# Mythos 4: Praxistechniker machen mehr Umsatz als Techniker im gewerblichen Dentallabor

Wie kann es sein, dass 15% aller Techniker 30% des Gesamtumsatzes machen und die anderen 85% nur 70%? Folgende Zahlen des KZBV Jahrbuches bestätigen das nochmal anschaulich mit absoluten Zahlen:

Fakten:

  • 32% der Zahnärzte haben ein Praxislabor. Die Hälfte davon hat gar keine Mitarbeiter.
  • 9.600 Zahntechniker machen in Praxislaboren 1,2 Milliarden Euro Umsatz, also 125.000€ pro Techniker
  • 63.000 Zahntechniker machen in  gewerblichen Laboren 2,04 Milliarden Euro Umsatz, also 32.380€ pro Techniker
    Die o.g. Zahlen stammen aus dem Jahrbuch der KZBV. Da es sich um Umsätze aus dem GkV Sektor handelt, werden dort keine CAD/CAM Leistungen erfasst sein, da diese nicht Bestandteil sind! Das heißt, die privaten Leistungen sind nicht berücksichtigt.

Sind die Praxistechniker (das sind die 15%) so viel besser oder schneller, als die Techniker aus den gewerblichen Dentalaboren? Das wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Sind die Preise so viel höher in Praxislaboren gegenüber gewerblichen Dentallaboren? Das lasse ich einmal offen, damit sich jeder sein eigenes Bild machen kann. Oder liegt es daran, dass einige Praxislabore, die sehr hohe Umsätze fahren, aber gar keine Techniker haben, Zahnersatz aus dem Ausland kaufen und über das Praxislabor diesen als deutschen Zahnersatz verkaufen?

Bei solchen Umsätzen komme ich persönlich ins Grübeln. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht? Wie wird so etwas überprüft? Wie sehen das Zahnärzte, die kein Praxislabor haben? Sind sie nicht auch im Nachteil bezüglich des Wettbewerbs? 

# Mythos 5: Praxislabore haben viele Vorteile

  • Wir haben ein Praxislabor, weil wir und unsere Patienten die Nähe zum Zahntechniker haben
  • Wir haben ein Praxislabor, weil wir so viele schlechte Erfahrungen mit gewerblichen Dentallaboren gemacht haben
  • Wir haben ein Praxislabor, weil wir dann alles aus einer Hand anbieten können
  • Wir haben ein Praxislabor, weil wir dann niedrigere Preise anbieten können

Ich möchte jetzt nur kurz auf die einzelnen Punkte eingehen. 70% der Zahnärzte haben kein Praxislabor und arbeiten mit gewerblichen Meisterlaboren zusammen. Denen sind obige Punkte, wie die Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker am Patienten und ein professionelles und sehr gutes Dentallabor an ihrer Seite auch absolut wichtig. Und auch hier bekommt der Patient alles aus einer Hand: Nämlich von seinem Zahnarzt. 

Fakten:

Es gibt sicherlich viele Gründe für einen Zahnarzt, warum er ein Praxislabor eröffnet. Letztendlich ist aber so ein Schritt in den meisten Fällen immer ein wirtschaftlicher Aspekt. Das ist völlig in Ordnung, dass ein Unternehmer, wie es ein Zahnarzt schließlich ist, unternehmerisch handelt.

Das Problem ist nur, dass er zugleich Auftraggeber und Auftragnehmer in einer Person ist:"Ein Arzt sollte die Medizin, die er herstellt, nicht verkaufen." Er kann die Preise so gestalten, wie er möchte. Gegenüber Zahnarzt-Kollegen, die mit einem Dentallabor zusammenarbeiten, hat er eine größere Flexibilität. Dadurch entsteht eine Wettbewerbsverzerrung nicht nur gegenüber einem Dentallabor, sondern auch den eigenen Kollegen ohne Praxislabor. Und der Patient bekommt meist das, was das Praxislabor zu fertigen in der Lage ist. 

Da der zahnärztliche Hilfsbetrieb kein Gewerbebetrieb ist, fallen auch keine Gewerbesteuern an. Zudem fehlen die Beiträge für die Berufgenossenschaft für den Arbeitsschutz. Somit gibt es auch keinen richtigen Arbeitsschutz, der speziell für ein Dentallabor eingerichtet sein müsste. 

# Mythos 6: Preise im Praxislabor sind um 5% abgesenkt 

Laut Gesetz sind die Kassenpreise in einem Praxislabor um 5% abgesenkt. Das wurde deswegen gemacht, weil Zahnärzte mit Hilfslabor keine Gewerbesteuer und HWK Beiträge zahlen müssen. 

Fakten:

Seit Einführung des Festzuschusses im Jahre 2005 sind mindestens 70% aller Kassen-Patienten zu Privatpatienten geworden. Wenn irgendeine Leistung privat wird, muss die ganze Arbeit privat abgerechnet werden. Bei midestens 70% der Patienten wird also nicht kassenmäßig abgerechnet, so dass die 5% Absenkung der Kassenpreise nicht wirklich mehr wie früher ins Gewicht fallen. 

# Fazit

Ich glaube, viele Zahnärzte mit Praxislabor wissen nicht genau, ob ihr Hilfsbetrieb wirklich erfolgreich ist.  Sie sehen auch nicht, dass Sie als Zahnarzt mehr Gewinn mit einem zusätzlichen Propylaxe- oder Beratungszimmer für Patienten machen würden. Die Industrie lockt damit, schnelles Geld mit Chairside Geräten zu machen, wo die zahnmedizinische Fachangestellte nach dem Wochenend-Crashkurs ab Montag den Zahntechniker in einigen Bereichen ersetzen soll.

Des Weiteren werden Fachkräfte aus Dentallaboren bei höheren Gehältern geholt und keiner fragt sich, woher die Zahntechniker in Zukunft kommen sollen? Schließlich bilden hauptsächlich die gewerblichen Dentallabore aus. Dort sinkt allerdings die Motivation, wenn die Techniker später abwandern zur Industrie oder ins Praxislabor. Was ist, wenn es keinen Nachschub (Nachwuchs) mehr gibt? 

Sind die Chairside und Praxislabore für viele nur der schnelle Gewinn? Short Win hat noch nie den Long Win geschlagen auf lange Sicht. Auch Zahnärzte müssen zukunftsfähig bleiben. Und bei der rasanten technischen Entwicklung gehört viel zahntechnische Weiterbildung und Know How dazu, was vor allem nur gute gewerbliche Dentallabore stemmen können. Deswegen ist der Gewinn für einen Zahnarzt immer höher und das Risiko wesentlich geringer, wenn er mit einem richtig guten gewerblichen Dentallabor zusammenarbeitet. 

Für mich gehören die beiden so unterschiedlichen Berufe in ihren Aufgaben klar getrennt. Dann wird es wirklich zu 100% professionell. "Schuster, bleib bei Deinen Leisten", heißt es doch so schön. 

Alles Gute für die Dentalbranche wünsche ich

Ihr

Rainer Ehrich

Kategorien: Praxislabor

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