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Einfach nur Zahntechnik 2016 - Mein Resümee und die besten Zitate

[fa icon="calendar"] 01.07.16 16:58 / von Rainer Ehrich

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Seit vielen Jahren findet alle zwei Jahre die Veranstaltung “Einfach nur Zahntechnik” statt. Es wurde von Jürg Stuck und Bruno Jahn ins Leben gerufen. Der Name ist Programm. Dieses Jahr war ich das erste Mal dabei und das Programm hieß: “Was mir am Herzen liegt.” Neun Referenten waren am Start mit unterschiedlichen Themen. Ich möchte an dieser Stelle mein persönliches Resümee über diese für mich inspirierende Veranstaltung niederschreiben. Das kann natürlich nur eine kleine Essenz sein und die Referenten mögen mir verzeihen, dass ich nicht den kompletten Inhalt wiedergeben kann. Wichtig ist mir, die Botschaft dieser tollen Veranstaltung zu beschreiben.

# 1 Die Referenten

Wolfgang Weber

ZTM aus Seeshaupt www.wolfgangweber-zahntechnik.de

"Was mir am Herzen liegt, ist der Begegnung Raum zu geben."

Rita: "Wolfgang, ist dir klar was du da machst?

Erwachen in einem technischen Beruf – eine Veränderung – mein Weg.”

Wolfgang Weber liegt am Herzen, dass er den Patienten nicht nur persönlich kennenlernen möchte, sondern dass er für ihn in seinem Labor auch eine angenehme Atmosphäre bietet. Das Labor bietet nicht nur ein wunderschönes Ambiente, sondern es brennt immer eine Kerze, die uns Menschen sofort ein wohliges Gefühl vermittelt. Auch bleibt der Patient ersteinmal eine kurze Zeit in dieser Atmosphäre mit sich alleine, um im Labor anzukommen. Danach ist das Gespräch mit dem Zahntechniker deutlich vertrauensvoller und angenehmer für beide.

Auch hängt immer ein aktuelles Foto vom Patienten die ganze Zeit am Arbeitsplatz, wenn dessen Arbeit gefertigt wird:”Hallo Otto. Ich mache jetzt Deine neuen Zähne”. Dadurch würde die Arbeit viel besser werden, betont Wolfgang Weber. Aber nicht jeder Zahntechniker kann das, weil es ihn irritiert. Das gibt ein neues Gefühl, woran sich der eine oder andere vielleicht erst dran gewöhnen muss.


Katrin Rohde

Zahntechnikermeisterin aus Schondorf http://www.rohde-zahntechnik.de/

"Was mir am Herzen liegt, ist DER MENSCH! Wir arbeiten für Menschen – am Menschen – Mitmenschen."

“Anhand verschiedener Rekonstruktionsarten (vom Einzelzahnimplantat über die Komplettsanierung), möchte ich gern aufzeigen, wie wir mit dem selben didaktischem Konzept unterschiedliche Fälle zu lösen versuchen.”

Die Arbeiten von Katrin haben mich schon immer auf Facebook begeistert. An diesem Tag war sie nicht nur die einzige Frau unter den Referenten, sondern sie stand das erste Mal auf der Bühne, um einen Vortrag vor so vielen Menschen zu halten. Das habe ich ihr kaum angemerkt. Sie hat das klasse gemacht.

Katrins Präsentation via Keynote war genauso professionell wie Ihre Arbeiten. Ich war wieder begeistert. Ich habe auch gelernt, dass es eine “Winter- und Sommerkrone” geben kann. Katrin, Du musst öfter auf die Bühne!

Ehrich Dental Consulting


Alexander Miranskij,

ZTM aus Nürnberg, http://www.dentalmanufaktur-nuernberg.de/

"Was mir am Herzen liegt, ist eine maximale Ästhetik zu erreichen!"

Alexander Miranskij zeigte uns, wir man mit minimalen Aufwand maximal ästhetische Ergebnisse erzielen kann. Anhand von einigen Fällen konnten wir schöne Arbeiten sehen. Auch ihm ist es wichtig, den Patienten im Mittelpunkt zu sehen. 


Ömür Pak

ZTM aus Bochum, http://www.oraldesign-pak.de/

"Was mir am Herzen liegt, ist DIE KOMMUNIKATION."

“Was ich unter Kommunikation verstehe? Kommunikation mit der Praxis, mit dem Doc, mit dem Patienten, mit der Bank, mit den Angestellten, mit sich. Informationsfluss im High end Labor. Schöne Zähne zeige ich auch ein paar!”

Da Ömür über mein Lieblingsthema Kommunikation referierte, war ich besonders gespannt. Ich konnte inhaltlich für mich persönlich jetzt nicht so viel dazu lernen, weil es wie gesagt auch mein Thema ist, ich war dennoch restlos begeistert davon, WIE es Ömür für die Teilnehmer rüber gebracht hat. Wir alle durften viel lachen, auch wenn es thematisch eigentlich nicht immer zum Lachen war.

Denn: Seine Kernbotschaft bestand darin, dass wir Zahntechniker von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden und wir aus dieser Versenkung selbstbewusst heraus treten müssen. Weiterhin konnte er uns sehr anschaulich klar machen, dass 90% der Labore sich im Mittelmaß bewegen, ohne eine klare Marke darzustellen. Der Vergleich zu Audi, Porsche, Dacia und anderen Marken zeigte das sehr deutlich auf.


Michael Zangl

ZTM aus Cham, http://www.zahntechnik-cham.de/

"Was mir am Herzen liegt, ist der Patient, denn er bleibt letztendlich analog!"

“Ich möchte gerne über unseren Laboralltag berichten. Welche Erfahrungen wir mit Patienten machen, wenn sie bei uns sind. Wo die Schwierigkeiten liegen, dem Patienten zu vermitteln, was wir uns denken und wie wir mit ihm zusammen seine Restauration erarbeiten wollen.”

Michael Zangl zeigte anhand von unterschiedlichen Farbringen von Vita an einem Beispiel einer A3 auf, dass eine A3 nicht auf jedem Farbring gleich ist. Als Lösungen gab es sehr viel Wissenswertes, wie man Farbnahmen professioneller feststellen kann. Aufgelockert hat Michael Zangl sein Thema mit bayrischen Redensarten, die er uns aber zum Glück übersetzt hat.


Dr. Daniel Hellmann

ZTM und Zahnarzt in einer Person, www.daniel-hellmann.de

"Was mir am Herzen liegt, ist die lange überfällige Reform der Funktionslehre – Über die Glaubenskrise in der Gnathologie-Gemeinde"

Dieser Vortrag hat mich insofern beeindruckt, dass CMD Systeme sehr kritisch zu bewerten sind. Das Interessante fand ich persönlich, dass 75% der Probanden ohne CMD System die gleichen Ergebnisse hatten, wie mit. Dabei hat man bei den Probanden ein Placebo System, Placebo Einschleifen und eine Placebo Beratung vorgegauckelt. Dr. Daniel Hellmann hat Lösungen vorgeschlagen, die hier allerdings zu weit führen würden. Deshalb schlage ich vor, seine Internetseite zu studieren.


Juergen Mehrhof

ZTM aus Berlin, http://oraldesign.org/~oraldes/members1/europe/germany/mehrhof-juergen/

"Was mir am Herzen liegt, ist zahnlosen Patienten wieder und anhaltend, neues Wohlbefinden zu verschaffen."

“Die Implantatposition ist der Schlüsselfaktor für Ästhetik und Komfort. Die grundlegenden Aspekte der Planung und der erfolgreichen Umsetzung komplexer Implantatversorgungen werden erörtert. Gegenstand des Vortrags ist ebenfalls der Zusammenhang zwischen Anatomie und Funktion (Ästhetik, Sprache und Komfort) und ihre Relevanz für den festsitzenden implantatgetragenen Zahnersatz.”

Neben einem sehr interessanten Patientenfall, wo genau beschrieben wurde, dass 4 oder 6 Implantate oft besser sind, als 8 oder mehr, hat mich die Präsentation fasziniert. Animierte Bilder der Arbeit und einer Figur, namens Franz, brachten viele Zuschauer zum Staunen. Das war mit Sicherheit ein Highlight dieses Tages.


Sepp Schweiger

ZTM aus München, http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Poliklinik-fuer-Zahnaerztliche-Prothetik/de/Personen-Container/Zahntechnisches-Labor/

"Was mir am Herzen liegt, ist dass die Zahntechnik in Deutschland für die zukünftigen Herausforderungen im globalen Wettbewerb gerüstet ist und den hohen Entwicklungsstand sowie die weltweite Spitzenposition beibehalten kann."

Das war ein Vortrag, der sehr aufwendige Untersuchungen im Bereich gedruckter Kronen aufzeigte. Kernthema war, wie sich Dentin und Schmelz bei gedruckten Kronen gegenüber gefrästen Einheiten verteilen. Die Unterschiede konnte man an sehr gut gemachten Fotos sehen.


Axel Gütges

ZTM aus Düsseldorf, http://www.xcitedent.de/Xcitedent/Home.html

"Was mir am Herzen liegt, ist die Wahrheit hinter dem Mythos der ästhetischen Zone zu ergründen."

“Es gibt viele Mythen,die sich um die ästhetische Zone ranken, aber... ... was ist die Wahrheit hinter diesen Mythen? ... und wie kann ich diese Mythen in der ästhetischen Zone entschlüsseln? Welche Techniken, Materialien und Verfahren kommen wann zum Einsatz. Von Non-Prep, über Lithiumdisilikat bis hin zu Zirkoniumdioxid. Alles ist möglich. Aber, macht auch alles Sinn? Anhand von Fällen aus der täglichen Arbeit will ich aufzeigen was Sinn und was keinen Sinn macht. Was Mythos und was Wahrheit ist !”

Axel Gütges Kernaussage war, dass der Mythos hinter ästhetischen Zone immer der Mensch, sprich der Patient, im Ganzen zu sehen ist. Die Ästhetik beginnt nicht immer beim Zahnfleisch und hört bei den Zähnen auf, sondern ist immer individuell zu betrachten. Das zeigte er an einigen Patientenfällen auf.


Bruno Jahn führte souverän durch das Programm zusammen mit Jürg Stuck. Nena von Hajmasy war wie immer die gute Seele der Veranstaltung, die uns alle sehr herzlich betreut hat.

# 2 Fazit

Für mich persönlich gab es 4 Schlüsselbotschaften:

  • Es gehört zum Gelingen einer sehr guten zahntechnischen Arbeit niemals ohne den Patienten. Er muss den ZTM sehen und umgekehrt
  • Das Arbeiten am Patienten müssen für die Zahntechniker legitimisiert und auch bezahlt werden.
  • Die Zahntechniker müssen immer mehr in die Öffentlichkeit treten.
  • Jürg Stuck zeigte sich zu Recht etwas enttäuscht über die Anzahl (538) der Unterschriften der Petition von Ralf Suckert auf http://www.initiative-zahntechnik.eu/ Bei fast 8.000 Laboren in Deutschland wäre eigentlich mehr zu erwarten gewesen.

Was alle Vorträge gemeinsam hatten: Es ging letztendlich immer darum, dass Zahntechniker mit dem Patienten zusammen arbeiten müssen. Und das auch legal. Ralf Suckert sagte einen für mich genialen Schlüsselsatz am Ende der Veranstaltung:

“Beim letzten DGI-Symposium erlaubte ich mir die ketzerische Frage: „Was wäre denn, wenn alle Zahntechniker von heute auf morgen ihre Serviceleistungen am und mit dem Patienten aus juristischen Gründen einstellen würden?“ – Es ging ein Raunen durch den Saal. „Wahrscheinlich völliges Chaos!“, war der Kommentar eines renommierten Zahnarztes und Prothetikers”

Das heißt, dass das Arbeiten am Patienten, was Zahntechniker tagtäglich machen, legalisiert und letztendlich auch bezahlt werden muss. Das muss einhergehen mit einem Heraustreten aus der Versenkung in die Öffentlichkeit. Menschen (Patienten) müssen wissen, dass guter Zahnersatz nur mit einem Zahntechniker zusammen funktionieren kann. Heute mehr denn je, weil die technischen Möglichkeiten sich vervielfacht haben.

“Die Zahntechniker sind wie Sportler im Stadion - nur ohne Zuschauer”, sagte mir ein Teilnehmer während der Pause. Ein Sportler ohne Zuschauer wird erstens nicht wahrgenommen und zweitens verdient er zu wenig Anerkennung und Geld.

Ich hoffe, dass die Veranstaltung “Einfach nur Zahntechnik” fortgesetzt wird. Jürg Stuck wird es nicht mehr machen.

 Ihr Rainer Ehrich 

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