Marketing für Dentallabore

Das Antikorruptionsgesetz in der Zahntechnik – Chancen oder Risiken?

[fa icon="calendar"] 08.06.16 11:35 / von Rainer Ehrich

Gemeinsam_gegen_Korr.jpg

Seit gestern ist das Antikorruptionsgesetz in Kraft getreten. Was bedeutet das für Zahntechniker und Zahnärzte? Welche Risiken und welche Chancen gibt es speziell für Zahntechniker? Ich bin kein Jurist und werde deshalb hier auch in dieser Hinsicht diesen Artikel so schreiben, was das Gesetz für den Zahntechniker bedeuten kann und das tue ich ohne Gewähr. In diesem Artikel erfahren Sie einige gängige Alltags-Szenarien, die unter das Antikorruptionsgesetz fallen können. Es gibt da noch mehr Dinge, die bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt in einem separaten Artikel beschrieben werden.

# 1 Was soll das Gesetz überhaupt bewirken?

Das Gesetz soll den “Betrug auf Rezept” verringern und die Unabhängigkeit medizinischer Maßnahmen fördern.

“Korruption im Gesundheitswesen beeinträchtigt den Wettbewerb, verteuert medizinische Leistungen und untergräbt das Vertrauen von Patienten in die Integrität heilberuflicher Entscheidungen.”

So steht es im Gesetzentwurf und sagt eigentlich alles aus, was den Sinn dahinter beschreibt. Alle Beteiligten, hier Zahnärzte und Dentallabore, sollen sensibilisiert werden, sich über gewisse “branchenübliche” Gepflogenheiten einmal Gedanken zu machen und zu schauen, ob bei einem selbst korruptives Verhalten vorliegt.

# 2 Kommunikation ist ab nun unverzichtbar

Da sich in den meisten Fällen der Zahntechniker und der Zahnarzt, also beide, strafbar machen können, gilt es, dass sich auch beide gegenseitig unterstützen und schützen sollten. Nicht jeder weiß genau, was man darf und was nicht und da ist es doch besser, sich darüber auszutauschen und sich gemeinsam zu informieren. Ich rate jedem selbstständigen Zahntechnikermeister, sich unbedingt auf Fortbildungen oder bei der Innung zu informieren.

Machen Sie sich auf alle Fälle richtig schlau. Das erspart Ihnen eine Menge Ärger. Wichtig dabei ist, dass Sie all Ihre Kunden auf die geänderten Dinge durch das Antikorruptionsgesetz hinweisen, die wichtig für Sie BEIDE sind. Dazu braucht es noch nicht einmal viel Mut, sondern sehen Sie es als Ihre Pflicht an, das genau zu kommunizieren.

Neuer Call-to-Action

# 3 Die Chancen für die Dentallabore

Einige Labore haben sich durch viele “Zugaben” bei den Zahnärzten vielleicht beliebt gemacht und auch mehr Arbeit dadurch bekommen, und genau da setzt das neue Gesetz an. Darauf gehe ich anhand von Beispielen weiter unten noch ein. Es ist aber auch für diese Labore endlich die Chance, wieder “reinen Tisch” zu machen. Man gibt in schlechten Zeiten einmal einen Bonus mehr ab und ärgert sich wenig später darüber. Zurücknehmen ist schwer, weil das bedeutet dann oft Kundenverlust, weil dieser das ja gewohnt war.

Jetzt ist die Chance da, dem Zahnarzt zu sagen, dass schließlich beide mit einem Bein im Gefängnis stehen, wenn das mit den Zugaben so weitergehen würden. Sie beraten Ihren Kunden mit wichtigen Infos, die er vielleicht noch nicht kennt. Wenn er sie kennt, dürfte das kein Problem sein, die Zugaben zu streichen. Da ein kleiner Hinweis bei der Staatsanwaltschaft genügt, um jemanden diese ins Haus zu schicken, wird sich der eine oder andere das genau überlegen, was er macht.

Dentallabore, die bisher keine oder nur wenig Zugaben gegeben haben, bekommen jetzt die Chance auf neue Kunden, weil sich ein Nutzen für den Zahnarzt, den er beim anderen Labor hatte, gerade in Luft aufgelöst hat. Der Wettbewerbsvorteil Ihres “Kollegen” ist von einem Tag auf den anderen weg.

# 4 Skontoregelung ist noch recht unklar

Über die Skontoregelung herrscht seitens der Juristen noch keine 100%ige Klarheit. Die in unserer Branche spezielle Monatsaufstellung ist vor dem Gesetz keine Rechnung. Das heißt, dass die 14-tägige Skontofrist nur für jede Einzelrechnung gilt. Das würde aber heißen, dass Arbeiten, die Anfang des Monats fertig gestellt wurden, schon bis zu 4 Wochen alt sind bei der Erstellung der Monatsaufstellung. Die Skontofrist ist also schon seit 14 Tagen vorbei bei der Erstellung der MA.

“Nichts wird so heiß gegessen, wie es auf dem Tisch kommt”, heißt es so schön.

Die Skontoregelung gehört mit Sicherheit nicht zu den großen Straftaten. Aber auch hier kann es zu empfindlichen Strafen kommen, wenn ein Betrug nach 10 oder 20 Jahren aufgedeckt wird. Selbst wenn die Juristen sich hier nicht 100%ig einig sind, gilt beim Antikorruptionsgesetz immer folgende Aussage:

Was juristisch nicht genau geklärt ist, kann irgendwann einmal auf dem Richtertisch landen. Ob es zum Thema Skonto einmal dazu kommt, weiß man nicht. Deshalb ist es auf alle Fälle besser, jetzt Klarheit in Ihre Geschäftsbeziehungen rein zu bringen. 

# 5 Das wären drei Lösungen:

  • Rechnen Sie jede Arbeit mit einer Einzelrechnung ab. Wie es letztendlich jeder Malermeister oder Elektroinstallateur macht. Das ist definitiv die sauberste Lösung. 
  • Bankeinzug ist eine saubere Lösung, damit der Kunde nicht aus Versehen einmal nach 30 Tagen noch Skonto zieht. Hier sollte auf alle Fälle der Betrag zurückerstattet oder dem Patienten zu Gute kommen. Denn sonst wird aus Skonto = Rabatt.
  • Wochenaufstellungen - Beachten Sie aber auch hier das Rechnungsdatum. 

Wichtig bei diesem Thema ist es auch, dass jeder Laborchef aus seiner Komfortzone kommt und alles ganz klar mit seinen Zahnärzten kommuniziert. Ich kenne einige Labore, die schon seit Jahren mit Einzelrechnungen arbeiten. Und es gibt keine Probleme, weil klar kommuniziert wurde. Es ist vielleicht ein etwas erhöhter Aufwand, aber der ist zu verschmerzen im Gegensatz zu den Konsequenzen.

# 6 Einige Fallbeispiele, die durch das AkG strafbar sein könnten:

  • Ein zahntechnisches Labor überlässt einem Zahnarzt einen Intra-Oralscanner (oder andere Gerätschaften) zum günstigeren Preis. Das Labor bekommt im Gegenzug 50 Implantat-Arbeiten. (Artikulator zum Überprüfen der Okklusion ist “angeblich” erlaubt=Grauzone. Bitte informieren!))
  • Ein Dentallabor lässt seine Forderung zusammen mit einem Zahnarzt über ein Factoringunternehmen einziehen und trägt nur die Gebühr für den eigenen Anteil. Selbst das könnte gefährlich werden.
  • Der Zahnarzt bezahlt seine Rechnungen nach 90 Tagen und das Labor erhebt keine Zinsen.
  • Ein Labor führt Dentalfotografien in einer Praxis durch und überlässt diese Fotos kostenfrei dem Kunden. (Für die eigene Dokumentation wäre das okay)

Sie können dem Zahnarzt alles zur Verfügung stellen. Sie müssen nur ein “angemessenes” Entgelt dafür nehmen. Wie hoch das auch immer sein sollte. Wenn der Zahnarzt antwortet wie in der Vergangenheit:”Das stellt mir das andere Labor aber gratis zur Verfügung”, so brauchen Sie jetzt nur mit “Aha…” antworten… (Smile)

# 7 Gemeinsam gegen die Korruption:

Die meisten Labore beschweren sich über einige ihrer Kollegen, dass diese mit unlauteren Mitteln den Wettbewerb verzerren. Jetzt ist die große Chance, dem weitestgehend ein Ende zu setzen. Es kann eigentlich diesbezüglich kein Jammern mehr geben. Nie wird man die Korruption ganz ausrotten. Aber es wird frustrierte oder gekündigte ZFA´s geben, die die Staatsanwaltschaft anrufen. Und Sie sitzen vielleicht mit in dem Boot. Gehen Sie raus und sprechen Sie offen mit Ihren Zahnärzten über dieses heiße Thema.

Es gibt keine Kavaliersdelikte.
Die gab es nicht und die gibt es jetzt erst recht nicht.

# Fazit:

Überprüfen Sie Ihr eigenes Marktverhalten und das der anderen. Viele haben Angst vor dem sogenannten Denunziantentum. Sie müssen selbst entscheiden, was Sie machen oder lassen. Leben Sie die “Null-Toleranz-Politik” selber. Werben Sie mit Qualität und Leistung, anstatt mit wirtschaftlichen Fehlanreizen. Dokumentieren Sie eventuelle Unklarheiten, zeigen Sie damit Transparenz und nutzen Sie das offene Gespräch.

Und nochmal zum Schluss: Dieser Artikel ist ohne Gewähr und eher ein Aufruf an Sie, bei diesem Thema am Ball zu bleiben. Fragen Sie am besten ersteinmal Ihre Innung, die alleine wegen der Juristen, den Sie dort befragen können, für einige Innungsmuffel ein Grund sein könnte, dort wieder einzutreten.  Denn Fragen werden immer wieder zum Antikorruptionsgesetz auftauchen. 

Besuchen Sie qualifizierte Fortbildungen. Woran man gute Fortbildungen erkennt? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, weil das Antikorruptionsgesetz neu ist und erst Zähne bekommt, wenn Delikte bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.

Machen Sie es gut!
Ihr Rainer Ehrich

Kategorien: Dentallabore, Zahntechnik, Antikorruption in der Zahntechnik

Neuer Call-to-Action

Abonniere meinen Blog für Tipps

Abonniere meinen Blog für Tipps

Neuer Call-to-Action